Goethes Faust - ein Lebensthema

Seit 1984 befasse ich mich immer wieder mit Goethes Faust-Dichtung . Diese Beschäftigung habe ich ab 1986 mit den „Vier Mysteriendramen“ von Rudolf Steiner ergänzt, die (unter anderem) an Goethe anschliessen. Das übergeordnete Thema ist die Auseinandersetzung mit den Bildungsanliegen der kulturschaffenden Mysterien. Dazu gehören unter anderem die griechischen Mysterien der Antike, zB DelphiEphesos und Samothrake. In der (italienischen) Renaissance wurde diese Bildungstradition wieder belebt. Von hier aus hat sich diese Art zu denken und zu erkennen in ganz Europa wieder belebt. Allgemein gesprochen handelt es sich hier um die dritte Art des denkenden Erkennens. Die eine Art ist die Induktion (Naturwissenschaft), die andere die Deduktion (Philosophie), die dritte ist die Analogie (Hermetik der Weisheitswissenschaft). Diese dritte Art des Denkens hat wie die anderen Disziplinen ihre eignen Grundlagen und Verfahren. Dabei sind das Meditieren über Bilder oder Prozesse wichtige Vorgehensweisen. Sichtbar produktiv wurde und wird diese Art zu denken in vielen Werken der bildenden, dramatischen und musikalischen Kunst.

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Lebensfreude und Wissensdrang

Mit Goethes Faust-Dichtung zeigt sich das neuzeitliche Bewusstsein auf eine beeindruckende und inspirierende Weise. Sie kann zugleich begeistern und betroffen machen. Sie unterhält und belehrt. Sie vermittelt anschaulich psychologische, kulturelle und historische Kenntnisse (und Klischees).

Rembrandt - Faust -
Rembrandt – Faust – Wikimedia Commons

Ein Grund, der Faust als Figur so interessant macht, ist sein Anspruch, auf der Grundlage des eigenen Erkennens zu handeln. Er unterscheidet dabei logisches Denken und erkennende Erfahrung. Erfahrung bedeutet hier, selber einen Weg zu gehen, selber zu sehen, zu tasten, zu schmecken, zu leiden und Erlösung zu erleben. Faust kommt mit seinem Streben an eine Grenze, die er nur durch einen Fluch auf das Bekannte und Vertraute zu überschreiten vermag. Die dafür notwendige Rücksichtslosigkeit ist erschreckend und faszinierend. Sie stellt zugleich deutlich die uns auch heute noch bekannte Frage, ob es nicht andere Wege gibt, um weiter zu kommen. Faust (als Figur der Dichtung) hat keinen anderen Weg gesehen. Er stand am Rande des eigenen Untergangs durch Selbstzerstörung und musste – so hat er wohl empfunden – ausbrechen oder sterben.

Dabei ist Faust kein wilder oder durchgedrehter Mensch, sondern ein Gebildeter, angesehener Mann der Wissenschaft und der praktischen Medizin. Er ist ein Universalgelehrter und verkörpert gewissermassen das Idealbild des Studierten. Die italienische Renaissance steigerte dieses mittelalterliche Idealbild des Gelehrten zum universal gebildeten Menschen. Ein Mensch sollte in allen kulturellen Bereichen Erfahrung und Bildung besitzen. Dazu gehörten nicht nur die Wissenschaft, Religion, Medizin, Astronomie, Mathematik usw, sondern auch die Musik, die Kunst allgemein, die Erotik und andere sinnliche Genüsse, besonders auch das kultivierte Trinken von (erlesenem) Wein. Goethe selber praktizierte diese Art der Persönlichkeitsbildung ziemlich konsequent.

Goethes Faust spürt diesen Drang ebenfalls in sich. Er will ein ganzer Mensch werden, allerdings lebt er nicht im südalpinen, lebensfreundlichen Italien, sondern im nordalpinen kühl-rauhen Germanien. Faust hat sich durch sein intensives Streben nach Wissen und Erkenntnis isoliert. Er kennt niemanden, der wie er Wissenschaft und Lebensfreude zu verbinden sucht. Lebensfreude finden die Menschen um ihn ausserhalb der Wissenschaft oder allein in ihr. Beides zu vereinen ist das Anliegen von Faust. Er fühlt zwei Seelen in seiner Brust. Wobei diese Seelen mehr sind als nur Wissensdrang und Lebenslust. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

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Dr. phil. Alexander G. Höhne

Ausbilder - Coach - Facilitator

Was mich auszeichnet: Pragmatismus, Entschlossenheit, Interesse.

Was ich Liebe: Forschen, Menschen unterstützen, gute Gespräche.

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Doktor der Philosophie

Germanistische Linguistik

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